Schönheitsoperationen – ein Reizthema der heutigen Gesellschaft.
Die Meinungen gehen weit auseinander, dem zum großen Teil durch die Medien vertretenen sehr positivem Bild steht eine breite Kritik von ethischer, aber auch von medizinischer Seite gegenüber.
Vor allem geht es aber um die Frage nach dem Warum.
Warum legen sich auf den ersten Blick vor allem eigentlich gesunde, junge Menschen auf den Operationstisch?
Nun, zum einen muss man beachten, dass es auch unter medizinischen Gesichtspunkten nötige Eingriffe gibt, die auf den ersten Blick als ästhetischer Eingriff daher kommen.
Eine Nasenverkleinerung zum Beispiel muss nicht nur von der Eitelkeit des „Besitzers“ / der „Besitzerin“ herrühren.
Neben psychischen Problemen, die aus einem dem eigenen Schönheitsideal nicht entsprechendem Äußeren bei manchen Fällen entstehen können, gibt es aber auch wirkliche medizinische Gründe.
In seltenen Fällen macht beispielsweise eine sehr lange, dünne Nase die Atmung sehr schwierig, so dass ein Eingriff notwendig wird.
In dieselbe Kategorie fällt hier auch die Brustverkleinerung bei Frauen, da zu große Brüste bei sehr schmalen Frauen zu Rückenproblemen führen können.
Viel größer allerdings als der Bereich der körperlichen Einschränkung ist der eben erwähnte psychologische.
Gerade im Fall der Brustvergrößerung oder -verkleinerung bei Frauen spielen fehlendes Selbstvertrauen, persönliche Unsicherheit und andere Probleme zu einer sonst kaum erklärbaren Bereitschaft, den eigenen Körper einem eigentlich unnötigen Risiko auszusetzen.
Die in der Pubertät stattfindene Selbstfindung und Selbstdefinierung Jugendlicher macht diese gerade in sehr jungem Alter anfällig für äußere Kritik an ihrem Äußeren.
Wenn Menschen etwas suchen, womit sie sich selbst gegenüber anderen abgrenzen und sich selbst definieren können, dann werden häufig die Extreme gesucht.
Angeheizt von den Schönheitsidealen der Medien wird die Chance, ein entspanntes Verhältnis zum eigenen Körper, zur eigenen Unvollkommenheit aufzubauen schnell aufgegeben und der Ausweg in Magersucht oder muskelaufputschenden Mittelchen gesucht.
Der schon länger kursierende Schlankheitswahn wurde schon vor einiger Zeit durch extreme Fälle von Anorexie publik und allerseits aufs schärfste kritisiert.
Doch dem neuen Schönheitswahn, der überall plakativ verkündet wird, stehen bei weitem nicht so viele kritische Stimmen entgegen.
Die Möglichkeit, den eigenen Körper für einige tausend Euros nach den eigenen Vorstellung modellieren zu können führt dazu, dass es noch schwieriger gerade für junge Menschen wird, sich mit den eigenen Fehlern abzufinden und unabhängig Selbstbewusstsein aufzubauen.
Nach der ersten Operation kommen in einigen Fällen noch weitere dazu. Je perfekter einige Körperpartien werden, umso unattraktiver scheinen die anderen.
So sind Schönheitsoperationen in manchen Fällen vielleicht sogar eine Sucht?
Nicht nur bei Prominenten ist zu beobachten, wie schnell eine Operation auf die andere folgt, ist erstmal die Schwelle überschritten.
Der Körper wird immer mehr zu etwas veränderlichem, so ähnlich wie Haare schneiden.
Und genau wie beim Haare schneiden, werden einige Zeit wieder Eingriffe nötig.
Ob nun nach einer frühen Brustoperation einige Jahre später die Narben plötzlich sichtbar werden, ober ob gerade im Alter das Botox im Gesicht zu einigen unerwünschten Verformungen führt – die erste Operation bleibt selten die letzte.
In wie weit die Folgeoperationen wirklich notwendig sind ( was leider gerade bei Operationen im Ausland häufig der Fall ist) oder ob wieder aus psychischen Motiven zum Messer gegriffen wird, ist schwer zu verallgemeinern.
Doch stellt sich in vielen Augen die Frage, in wie weit das „Gott spielen“ am eigenen Körper eigentlich vertretbar ist.
Im Endeffekt ist jeder Mensch für den eigenen Körper verantwortlich und niemand kann oder darf ihr oder ihm diese Verantwortung entziehen.
Dementsprechend ist die Schönheitsoperation aus freien Stücken nicht zu verurteilen.
Aber wie man sicherstellt, dass solche Eingriffe aus „freien Stücken“ geschehen, ist bei weitem nicht klar definiert. Lässt man gerade jungen Menschen noch die Wahl, wenn im TV Nachwuchsmodels mit einer Selbstverständlichkeit auf dem Operationstisch liegen, als ob es sich um einen Friseurtermin handele?
Eine öffentliche Diskussion tut nicht erst seit heute Not, um gefährliche Tendenzen eindämmen zu können.